**2.50:** Wer mit (gleichmütiger) Weisheit begabt ist, der entsagt schon in diesem Leben sowohl guten als auch bösen Taten. Darum widme dich dem Yoga (der Gleichmütigkeit), denn Yoga ist Geschick im Handeln.
**Kommentar:** *„Buddhiyukto jahātīha ubhe sukṛtaduṣkṛte“* – Ein im Gleichmut Verankerter entsagt schon zu Lebzeiten guten und bösen Taten; das heißt, Gutes und Böses haften nicht an ihm, er wird davon frei. So wie in der Welt beständig gute und böse Taten geschehen, sie aber den allgegenwärtigen Höchsten Herrn nicht berühren, so wird auch der, der ständig im Gleichmut gegründet ist, von Gut und Böse nicht berührt (Gita 2.38).
Gleichmut ist eine solche Wissenschaft, durch die ein Mensch, während er in der Welt lebt, dennoch völlig unberührt von ihr bleiben kann. So wie ein Lotosblatt aus dem Wasser geboren wird und im Wasser bleibt, aber nicht davon benetzt wird, so bleibt auch ein mit Gleichmut Begabter, während er in der Welt lebt, unberührt von ihr. Gutes und Böses rühren ihn nicht an; das bedeutet, er wird losgelöst von Gut und Böse.
In Wahrheit ist das Selbst (Bewusstsein) von Natur aus frei von Gut und Böse. Erst durch die Identifikation mit unwirklichen Erscheinungen – wie dem Körper – scheinen Gut und Böse anzuhaften. Wenn man sich nicht mit diesen unwirklichen Erscheinungen identifiziert, bleibt man unberührt wie der Himmel, und Gut und Böse können einen nicht berühren.
*„Tasmādyogāya yujyasva“* – Darum widme dich dem Yoga; das heißt, bleibe beständig im Gleichmut gegründet. In Wahrheit ist Gleichmut deine wahre Natur. Daher bist du ewig und ständig in nichts anderem als in diesem Gleichmut gegründet. Nur aufgrund von Anhaftung und Abneigung erfährst du diesen Gleichmut nicht. Wärest du nicht immer im Gleichmut gegründet, wie könntest du dann Vergnügen und Schmerz wahrnehmen; denn diese beiden sind verschieden. Indem du diese beiden wahrnimmst, bleibst du stets gleichmütig in ihrem Kommen und Gehen. Erkenne diesen Gleichmut.
*„Yogaḥ karmasu kauśalam“* – Im Handeln ist Yoga allein die wahre Geschicklichkeit; das heißt, im Erfolg oder Misserfolg der Handlungen und im Erlangen oder Nicht-Erlangen ihrer Früchte gleichmütig zu bleiben – das allein ist Geschick im Handeln. In den Handlungen, die Geburt und Vernichtung unterworfen sind, gibt es nichts Wichtigeres als Yoga.
Mit diesen Worten hat der Herr Yoga nicht definiert; vielmehr hat er seine Herrlichkeit verkündet. Wenn man die Bedeutung dieser Worte als ‚Geschicklichkeit im Handeln allein ist Yoga‘ auffassen würde, was wäre dagegen einzuwenden? Würde man diese Bedeutung annehmen, dann wäre sogar ein Diebstahl, der mit großem Geschick und Vorsicht ausgeführt wird, Yoga. Daher ist eine solche Auslegung unangemessen. Man könnte einwenden, dass wir nur vorgeschriebene Handlungen, die geschickt ausgeführt werden, als Yoga betrachten. Doch diese Ansicht würde einen Menschen an die Früchte der geschickt und mit allen Mitteln ausgeführten Handlungen binden und ihn aus seinem Zustand der Gleichmut herausreißen. Daher ist es hier angemessen, die Bedeutung als ‚Im Handeln ist Yoga allein die Geschicklichkeit‘ aufzufassen. Der Grund ist, dass derjenige, dessen inneres Wesen beim Ausführen von Handlungen gleichmütig bleibt, nicht an die Handlungen oder ihre Früchte gebunden wird. Daher ist es, während man den Geburt und Tod unterworfenen Handlungen nachgeht, im Gleichmut zu bleiben, wahre Geschicklichkeit, wahre Weisheit.
Ein weiterer Punkt: In den beiden vorangegangenen Versen und in der ersten Hälfte dieses Verses geht der Zusammenhang allein um Yoga (Gleichmut), nicht um Geschicklichkeit. Daher ist es auch vom Zusammenhang her logisch stimmig, die Bedeutung als ‚Im Handeln ist Yoga allein die Geschicklichkeit‘ aufzufassen.
**Zusammenhang:** Um nun den vorangegangenen Vers zu bekräftigen, gibt der Herr im folgenden Vers ein Beispiel.
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