**Übersetzung:**
Wie die Wasser aller Flüsse in den Ozean einströmen, der stets gefüllt und in seinen Grenzen gefestigt ist, der Ozean aber unerschüttert und unverändert bleibt; so treten alle Sinnesobjekte in den selbstbeherrschten Menschen ein, ohne irgendeine Erregung zu verursachen. Er allein erlangt höchsten Frieden, nicht der, der nach Sinnengenüssen verlangt.
**Kommentar:** Der Vers besagt: "Wie der Ozean, stets gefüllt und unbeweglich gefestigt, unerschüttert bleibt, wenn Wasser von allen Seiten in ihn einströmt..." In der Regenzeit nimmt das Wasser in Flüssen und Bächen stark zu, und viele Flüsse treten sogar über die Ufer. Doch wenn dieses Wasser von allen Seiten strömt und in den Ozean mündet, der bereits voll Wasser ist, schwillt der Ozean nicht an; er bleibt innerhalb seiner eigenen Grenzen. Umgekehrt, wenn das Wasser in Flüssen und Bächen in den heißen Sommertagen stark abnimmt, schrumpft der Ozean nicht. Die Bedeutung ist, dass der Ozean von der Zunahme, Abnahme oder Abwesenheit von Flusswasser oder von der Verdunstung durch unterseeisches Feuer oder die Sonne unberührt bleibt. Er schwillt weder an noch schrumpft er. Er ist nicht abhängig von den Wassern der Flüsse und Bäche. Er bleibt ewig und beständig gefüllt, so wie er ist, und verlässt niemals seine eigene Grenze.
"...so treten alle Begierden in ihn ein, und er erlangt Frieden." Auf gleiche Weise kommen alle weltlichen Genüsse zu jenem selbstbeherrschten Menschen, der die Höchste Wirklichkeit erkennt, oder werden von ihm erlangt. Sie erscheinen vor ihm, aber sie können in seinem sogenannten Körper und Geist (Antahkarana) keine Veränderungen von Freude und Leid erzeugen. Daher erlangt er den höchsten Frieden. Sein Frieden existiert aufgrund der Höchsten Wirklichkeit, nicht aufgrund von Sinnesobjekten (Gita 2.46).
Die hier gegebene Analogie von Ozean und Flusswasser trifft nicht vollständig auf den Menschen mit gefestigter Weisheit (Sthita-prajña) zu. Der Grund ist, dass zwischen Ozean und Flusswasser Homogenität besteht; das Wasser, das den Ozean füllt, ist von derselben Natur wie das Wasser, das aus Flüssen und Bächen kommt, und das Wasser aus Flüssen und Bächen ist von derselben Natur wie das Wasser, das den Ozean füllt. Der Unterschied zwischen dem Menschen mit gefestigter Weisheit und den weltlichen Sinnesobjekten ist jedoch so gewaltig, dass nicht einmal die Analogie der Entfernung zwischen Himmel und Erde, Tag und Nacht, ihn angemessen erklären kann! Denn die Wirklichkeit, in der der Mensch mit gefestigter Weisheit verankert ist, ist bewusst, ewig, wahr, grenzenlos und unendlich; wohingegen weltliche Sinnesobjekte träge, vergänglich, unwirklich, begrenzt und endlich sind.
Ein zweiter Unterschied ist, dass Flusswasser sehr wohl den Ozean erreicht, aber diese weltlichen Sinnesobjekte erreichen nicht die Wirklichkeit, in der der Mensch mit gefestigter Weisheit verankert ist. Vielmehr erreichen sie nur bis zu seinem sogenannten Körper und Geist (Antahkarana).
Daher wird die Analogie des Ozeans nur gegeben, um den Zustand seines sogenannten Körpers und Geistes zu veranschaulichen. Es gibt keine Analogie, die seine wahre, wesenhafte Natur beschreiben kann.
"...nicht der, der nach Begierden verlangt." Jene, deren Geist Begierde nach Sinnesobjekten hegt, die nur den Objekten Bedeutung beimessen, deren Blick nur auf die Objekte gerichtet ist – selbst wenn sie unzählige weltliche Genüsse erlangen, können sie niemals zufrieden sein. Ihr Verlangen, ihr Brennen und ihre Qual können nicht gelöscht werden; wie können sie also Frieden erlangen? Der Grund ist, dass die Befriedigung der bewussten Natur niemals von trägen Objekten kommen kann.
**Übergang:** Nun wird im folgenden Vers die Schlussfolgerung zur Antwort auf die Frage "Wie verhält sich der Mensch mit gefestigter Weisheit?" gegeben.
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