2.63. Erläuterung – „Wenn ein Mensch in Sinnesobjekten verweilt, entsteht Anhaftung an sie.“ – Indem man Gott nicht hingegeben ist, indem man nicht über Gott meditiert, meditiert man nur über die Sinnesobjekte. Der Grund ist, dass die Seele auf der einen Seite Gott und auf der anderen Seite die Welt hat. Wenn sie die Zuflucht zu Gott aufgibt, dann nimmt sie Zuflucht zur Welt und sinnt nur über die Welt nach; denn außer der Welt bleibt kein anderer Gegenstand der Betrachtung übrig. Auf diese Weise entstehen durch beständiges Nachsinnen in einem Menschen Anhaftung, Zuneigung und Vorliebe für jene Objekte. Wenn Anhaftung entsteht, gibt sich der Mensch diesen Objekten hin. Ob die Hinwendung zu den Objekten geistig oder körperlich ist, das daraus gewonnene Vergnügen erweckt eine Vorliebe für die Objekte. Aus der Vorliebe beginnt man, wieder und wieder über jenes Objekt nachzusinnen. Ob man sich nun diesem Objekt hingibt oder nicht, die Anhaftung an die Objekte entsteht unweigerlich – das ist das Gesetz.
„Aus Anhaftung entsteht Begierde.“ – Wenn Anhaftung an Objekte entsteht, erwacht das Verlangen, jene Objekte (Genüsse) zu erlangen – dass jene Genüsse, jene Dinge zu mir kommen sollen.
„Aus Begierde entsteht Zorn.“ – Wenn Objekte, die der Begierde günstig sind, fortwährend erlangt werden, entsteht Gier; und solange die Möglichkeit der Erfüllung der Begierde besteht, wenn jemand ein Hindernis schafft, entsteht Zorn gegenüber dieser Person.
Begierde ist so beschaffen, dass, wenn sie behindert wird, unweigerlich Zorn entsteht. Der Stolz der Tugendhaftigkeit, den man in Bezug auf seine Kaste, Lebensstufe, Eigenschaften, Kompetenz usw. hegt, enthält ebenfalls ein Verlangen nach der eigenen Achtung, Ehre usw.; wenn dieses Verlangen durch irgendeine Person behindert wird, entsteht Zorn.
‚Begierde‘ ist eine rajassige Neigung, ‚Verblendung‘ ist eine tamassige Neigung und ‚Zorn‘ ist eine Neigung zwischen Rajas und Tamas.
Wann immer Zorn in irgendeiner Angelegenheit entsteht, liegt an seiner Wurzel sicherlich irgendwo Anhaftung. Zum Beispiel: Wenn Zorn entsteht, weil man sieht, wie jemand gegen Moral und Gerechtigkeit handelt, dann liegt Anhaftung an Moral und Gerechtigkeit vor. Wenn Zorn gegenüber jemandem entsteht, der beleidigt oder verachtet, dann liegt Anhaftung an Ehre und Respekt vor. Wenn Zorn gegenüber jemandem entsteht, der kritisiert, dann liegt Anhaftung an Lob vor. Wenn Zorn gegenüber jemandem entsteht, der beschuldigt, dann liegt Anhaftung am Stolz der Fehlerlosigkeit vor; und so weiter.
„Aus Zorn entsteht Verblendung.“ – Aus Zorn entsteht Verblendung, d.h. es tritt Betäubung ein. In Wirklichkeit, wenn man es betrachtet, entsteht Verblendung aus diesen vier: Begierde, Zorn, Gier und Besitzergreifen, wie folgt:
(1) Die aus Begierde entstehende Verblendung: Dabei wird die Unterscheidungskraft getrübt, und der Mensch, von der Begierde überwältigt, verübt schließlich Handlungen, die nicht getan werden sollten.
(2) Die aus Zorn entstehende Verblendung: Dabei sagt der Mensch schließlich sogar zu Freunden und Verehrungswürdigen harte und unangemessene Dinge und benimmt sich auf Arten, die nicht getan werden sollten.
(3) Die aus Gier entstehende Verblendung: Dabei verliert der Mensch die Rücksicht auf Wahrheit und Falschheit, Rechtschaffenheit und Unrechtschaffenheit usw. und täuscht Menschen durch Betrug.
(4) Die aus Besitzergreifen entstehende Verblendung: Dabei geht Gleichmut verloren; stattdessen entsteht Parteilichkeit.
Wenn Verblendung aus allen vier – Begierde, Zorn, Gier und Besitzergreifen – entsteht, warum hat der Herr hier dann nur Zorn erwähnt? Wenn man tiefgehend prüft, bleibt in Begierde, Gier und Besitzergreifen die Neigung zum eigenen Vergnügen-Genuss und Eigeninteresse erwacht, aber in Zorn bleibt die Neigung, anderen zu schaden, erwacht. Daher ist die aus Zorn entstehende Verblendung noch schrecklicher als die aus Begierde, Gier und Besitzergreifen entstehende Verblendung. Aus dieser Perspektive hat der Herr hier dargelegt, dass Verblendung speziell aus Zorn entsteht.
„Aus Verblendung entsteht Gedächtnisverlust.“ – Wenn Betäubung eintritt, wird das Gedächtnis zerstört, d.h. der Entschluss, der aus den Schriften und guten Gedanken gefasst wurde – „Ich muss solche Handlungen ausführen, solche Praktiken unternehmen, meine Befreiung verwirklichen“ – die Erinnerung daran wird zerstört; man erinnert sich nicht daran.
„Aus Gedächtnisverlust entsteht die Zerstörung des Intellekts.“ – Wenn das Gedächtnis zerstört ist, geht die Unterscheidungskraft, die sich im Intellekt manifestiert, verloren, d.h. der Mensch verliert die Fähigkeit, neu zu denken.
„Aus der Zerstörung des Intellekts geht er zugrunde.“ – Mit dem Verlust der Unterscheidungskraft fällt der Mensch aus seinem Zustand. Daher ist es, um diesen Fall zu vermeiden, für alle Suchenden äußerst notwendig, Gott hingegeben zu sein.
Hier, die beschriebene Abfolge – aus bloßem Nachsinnen über Objekte entsteht Anhaftung, aus Anhaftung Begierde, aus Begierde Zorn, aus Zorn Verblendung, aus Verblendung Gedächtnisverlust, aus Gedächtnisverlust Zerstörung des Intellekts und aus der Zerstörung des Intellekts der Fall – während die Analyse dieser Abfolge Zeit in Anspruch nimmt, dauert das Entstehen all dieser Neigungen und der daraus resultierende Fall eines Menschen keine Zeit. Wie ein elektrischer Strom entstehen all diese Neigungen augenblicklich und verursachen den Fall des Menschen.
Zusammenhang – Nun beantwortet der Herr in dem folgenden Vers diese vierte Frage: „Wie verhält sich der Mensch mit gefestigter Weisheit?“
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