**Übersetzung:**
Arjuna sprach: O Janārdana! Wenn du buddhi (Wissen) als höher stehend als karma betrachtest, warum dann, o Keśava, verwickelst du mich in schreckliches Handeln? Mit deinen scheinbar widersprüchlichen Aussagen verwirrst du meinen Intellekt. Darum entscheide und sage mir jenes eine, wodurch ich das höchste Gute erlangen kann.
**Kommentar:** Durch das Wort „Janārdana“ scheint Arjuna diese Empfindung auszudrücken: O Śrī Kṛṣṇa! Du bist der Erfüller der Gebete aller; darum wirst du gewiss auch das meine erfüllen.
„Wenn du Wissen als höher stehend als Handeln betrachtest … warum verwickelst du mich, o Keśava?“ – Es gibt eine Schwäche im menschlichen Herzen, dass es, wenn es eine Frage stellt, wünscht, die Antwort des Sprechers möge die eigene Ansicht oder Lehre unterstützen. Dies wird Schwäche genannt, weil wahrer Mut darin besteht, sich zu entschließen, der Anweisung des Sprechers zu folgen, ob sie angenehm oder völlig gegenteilig ist; alles andere ist bloß Schwäche oder Feigheit. Aufgrund dieser Schwäche fällt es einem Menschen schwer, Widrigkeiten zu ertragen. Wenn er Widrigkeiten nicht ertragen kann, legt er den Mantel der Tugend an, was bedeutet, dass im Gewand der Tugend das Böse eintrifft. Das Böse, das im Gewand der Tugend kommt, ist sehr schwer abzulegen. Hier ist in Arjuna das Böse der Pflichtaufgabe unter dem Deckmantel der Tugend der Gewaltlosigkeit eingetroffen. Darum betrachtet er Wissen als höher stehend als die gebotene Handlung. Aus diesem Grund fragt er hier: Wenn du Wissen als höher stehend als karma betrachtest, warum verwickelst du mich dann in die schreckliche Handlung des Krieges?
Im neununddreißigsten Vers des zweiten Kapitels sprach der Herr mit dem Wort „buddhir yoge“ nur von Gleichmut (samatā); aber Arjuna verstand es als Wissen. Darum sagt er zum Herrn: O Janārdana! Du sagtest zuvor: ‚Ich habe diese buddhi im Sāṅkhya erläutert; höre nun davon im Kontext des Yoga. Ausgestattet mit dieser buddhi wirst du die Fessel der Handlung abwerfen.‘ Aber die Fessel der Handlung wird nur abgeworfen, wenn Wissen vorhanden ist. Du sagtest auch: ‚Handeln ist dem Yoga der Weisheit (buddhi-yoga) weit unterlegen‘ (2.49). Wenn nach deiner Ansicht Wissen höher und besser ist als Handeln, dann solltest du mich nicht einmal in schriftgemäß gebotene heilsame Handlungen wie Opfer, Gabe und Askese verwickeln, sondern nur in Wissen. Warum aber verwickelst du mich im Gegenteil in eine äußerst grausame Handlung wie Krieg, in der man den ganzen Tag Menschen erschlagen muss?
Zuvor war Arjunas Geist erfüllt von Enthusiasmus für den Kampf, und in dieser Inbrunst sagte er zum Herrn: ‚O Acyuta! Stelle meinen Wagen zwischen die beiden Heere, damit ich jene hier Versammelten sehe, mit denen ich kämpfen muss.‘ Aber als der Herr den Wagen zwischen die beiden Heere stellte, vor Bhīṣma und Droṇa und die anderen Könige, und sagte: ‚Siehe diese Kurus‘, erwachte Arjunas familiäre Bindung. Mit dem Erwachen der Bindung neigte sich seine Gesinnung vom Krieg ab, von der Handlung, und hin zum Wissen; denn im Wissen muss man keine schrecklichen Handlungen wie Krieg ausführen. Darum sagt Arjuna: Warum verwickelst du mich in schreckliches Handeln?
Hier wird das Wort „buddhiḥ“ als „Wissen“ verstanden. Wenn das Wort „buddhiḥ“ hier als „Gleichmut“ (samatā) verstanden würde, dann ließe sich der Vorwurf widersprüchlicher Aussagen nicht aufrechterhalten. Der Grund ist, dass im achtundvierzigsten Vers des zweiten Kapitels der Herr Arjuna anwies, Handlung auszuführen, während er im Yoga (Gleichmut) gegründet ist. Der Vorwurf widersprüchlicher Aussagen wäre nur dann gültig, wenn es in Arjunas Verständnis zwei verschiedene Dinge gäbe, und nur dann würde diese Frage entstehen: Wenn nach deiner Ansicht Wissen höher stehend ist als Handeln, warum verwickelst du mich dann in schreckliches Handeln? Zweitens spricht der Herr in seiner Antwort auf Arjunas Frage weiter vorne von zwei Wegen der Standhaftigkeit – der Standhaftigkeit der Weisen durch den Yoga des Wissens und der Standhaftigkeit der Yogis durch den Yoga der Handlung. Dies macht es auch logisch konsistent, die Bedeutung des Wortes „buddhiḥ“ in Arjunas Fragen als „Wissen“ zu nehmen.
Jeder Suchende kann die korrekte Antwort auf seine Frage nur erhalten, indem er mit Ehrfurcht fragt. Es ist nicht möglich, die korrekte Antwort zu erhalten, indem man mit skeptischem Geist Einwände erhebt. Arjuna hat vollkommenen Glauben an den Herrn; darum ist die Empfindung, die sich in der obigen Frage offenbart, dass, wenn der Herr es befiehlt, Arjuna sogar zu schrecklicher Handlung wie Krieg zu seinem Wohl bereit ist.
„Mit deinen scheinbar widersprüchlichen Aussagen verwirrst du meinen Intellekt“ – Die Empfindung in diesen Worten Arjunas ist: Manchmal sagst du: ‚Vollbringe Handlung‘ – ‚kuru karmāṇi‘ (2.48), und manchmal sagst du: ‚Nimm Zuflucht in Weisheit‘ – ‚buddhau śaraṇam anviccha‘ (2.49). Mit diesen scheinbar gemischten Aussagen von dir wird mein Intellekt verwirrt, das heißt, ich kann nicht klar verstehen, ob ich handeln oder Zuflucht in Wissen nehmen soll.
Hier zeigt die zweimalige Verwendung des Wortes „iva“ (gleichsam) Arjunas Glauben an den Herrn an. Aufgrund dieses Glaubens akzeptiert Arjuna die Worte des Herrn als richtig und versteht auch, dass der Herr seinen Intellekt nicht verwirrt. Aber weil er die Worte des Herrn nicht präzise versteht, erscheinen ihm die Aussagen des Herrn widersprüchlich, und es scheint ihm, als ob der Herr mit seinen Worten seinen Intellekt verwirre. Wenn der Herr Arjunas Intellekt verwirren würde, wer würde dann Arjunas Täuschung beseitigen?
„Darum entscheide und sage mir jenes eine, wodurch ich das höchste Gute erlangen kann“ – Entscheide zwischen ob mein Heil vom Vollbringen der Handlung oder vom Wissen kommen wird, und sage mir jenes eine um meinetwillen, wodurch ich Heil erlangen kann. Ich sagte bereits zuvor: ‚Sage mir das, was sicherlich mein Heil ist‘ – ‚yac chreyaḥ syān niścitaṃ brūhi tan me‘ (2.7), und nun sage ich dasselbe.
**Zusammenhang:** In den nächsten drei Versen (dem dritten, vierten und fünften) antwortet der Herr auf Arjunas Worte „mit deinen scheinbar widersprüchlichen Aussagen“.
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