**3.17** Für denjenigen jedoch, der allein im Selbst frohlockt, der im Selbst allein Genüge findet und der im Selbst allein zufrieden ist, gibt es keine Pflicht.
**Kommentar:** Das Wort ‚jedoch‘ (tu) wird hier verwendet, um den großen Wesenszug des vollkommenen Menschen, der die Vollendung durch die Erfüllung seiner Pflicht erlangt, von der im vorherigen Vers beschriebenen Person abzuheben, die ihre Pflicht vernachlässigt. Solange ein Mensch glaubt, mit der Welt verbunden zu sein, hält er sein ‚Frohlocken‘ (rati) für in den Sinnesfreuden und in Frau, Kindern, Familie usw. begründet; seine ‚Genüge‘ (tripti) für in Speise und Trank; und seine ‚Zufriedenheit‘ (santushti) für in Reichtum. Doch in all dem sind sein Frohlocken, seine Genüge und seine Zufriedenheit niemals vollständig noch dauern sie ununterbrochen an. Der Grund ist, dass die Welt ständig im Wandel, träge und vergänglich ist, während das ‚Selbst‘ immer von einer Wesenheit, bewusst und unvergänglich ist. Die Implikation ist, dass das ‚Selbst‘ nicht die geringste Verbindung mit der Welt hat. Wie also könnten das Frohlocken, die Genüge und die Zufriedenheit des ‚Selbst‘ aus der Welt stammen?
Es ist die Erfahrung eines jeden, dass das Frohlocken eines Menschen in der Welt nicht für immer andauert. Die gegenseitige Zuneigung oder Anziehung, die zwischen Mann und Frau zur Zeit der Hochzeit empfunden wird, bleibt nicht bestehen, nachdem ein oder zwei Kinder geboren sind. In manchen Fällen gehen Frauen sogar so weit, über ihre betagten Ehemänner zu sagen: „Es wäre gut, wenn der Alte stürbe.“ Die Genüge, die aus dem Essen von Speisen gezogen wird, wird ebenfalls nur für kurze Zeit wahrgenommen. Die Zufriedenheit, die eine Person beim Erwerb von Reichtum empfindet, ist ebenfalls nur von kurzer Dauer, denn das Verlangen nach Reichtum nimmt immer weiter fortschreitend zu. Daher besteht kontinuierlich ein Gefühl des Mangels. Die Bedeutung ist einfach, dass in der Welt Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit niemals beständig sein können.
Eine Person nimmt Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit nur in weltlichen Objekten wahr; in Wirklichkeit existieren sie dort nicht. Wenn sie es täten, dann würden Gleichgültigkeit, Unzufriedenheit und Unzufriedenheit nicht wieder aufkommen. Von ihrer eigentlichen Natur her sind Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit im Selbst unmittelbar offenbar. Das Selbst ist Sein (Sat). Im Sein gibt es niemals einen Mangel – „Das Unwirkliche hat kein Sein; das Wirkliche hat kein Nichtsein“ (Gita 2:16) – und ohne ein Gefühl des Mangels entsteht kein Verlangen. Daher ist Verlangenlosigkeit im Selbst unmittelbar offenbar. Wenn jedoch die individuelle Seele aufgrund von Irrtum glaubt, mit der Welt verbunden zu sein, beginnt sie, Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit in der Welt zu suchen und fängt an, aus diesem Grund weltliche Objekte zu begehren. Nachdem sie begehrt hat und jenes Objekt (wie Reichtum usw.) erlangt wird, dann, beim Schwinden des im Geist residierenden Verlangens (bevor ein anderes Verlangen entsteht), wird ihr Zustand verlangenlos, und es ist diese Verlangenlosigkeit, in der sie Glück erfährt. Aber fälschlicherweise schreibt die Person dieses Glück dem Erwerb des weltlichen Objekts zu und nennt dieses Glück selbst mit den Namen Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit. Wenn das Glück vom Erlangen des Objekts käme, dann würde es, nachdem es erlangt wurde, immer bestehen bleiben, solange das Objekt bliebe; Kummer würde niemals auftreten, und Verlangen nach dem Objekt würde nicht wieder entstehen. Da jedoch vollständiges (beständiges) Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit niemals aus weltlichen Objekten erlangt werden können und weil das Gefühl des ‚Mein‘ in Bezug auf die Welt fortdauert, beginnt er erneut, neue Wünsche zu hegen. Wenn Verlangen entsteht, erfährt er ein Gefühl des Mangels in sich selbst; und wenn das begehrte Objekt erlangt wird, erfährt er Abhängigkeit von ihm. Daher bleibt eine Person mit Begierden immer unglücklich.
Es ist hier wichtig zu beachten, dass spirituelle Aspiranten (Sadhakas) Verlangenlosigkeit als die Wurzelursache des Glücks und Verlangen als die Ursache der Leiden betrachten. Aber Menschen, die an der Welt hängen, betrachten den Erwerb von Objekten als Glück und ihr Nicht-Erlangen als Kummer. Wenn ein weltlich verbundener Mensch mit derselben wahren Schau wie ein Aspirant sähe, könnte er schnell den unmittelbar offenbaren Zustand der Verlangenlosigkeit erfahren. Menschen mit Begierden gelten als qualifiziert für Karmayoga – „Doch Karmayoga ist für diejenigen mit Begierden“ (Srimad Bhagavatam 11.20.7). Für Menschen mit Begierden liegen Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit in der Welt. Daher sagt der Herr, indem er den Zustand der verlangenlosen großen Wesen beschreibt, die durch Karmayoga vollendet wurden, dass ihr Frohlocken, ihre Genüge und Zufriedenheit, anders als bei Menschen mit Begierden, nicht in der Welt, sondern im Selbst allein liegen (Gita 2:55), was von Anbeginn an so ist.
In Wirklichkeit sind Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit, obwohl nicht voneinander getrennt, aufgrund der Verbindung mit der Welt als getrennt erscheinend. Deshalb werden bei der Trennung der Verbindung mit der Welt das Frohlocken, die Genüge und die Zufriedenheit jenes großen Wesens – alle drei – eins in derselben Wesenheit (dem Selbst). In diesem Vers hat der Herr die Wörter ‚eva‘ (allein/wahrlich) und ‚cha‘ (und) zweimal verwendet und noch einmal im nächsten (achtzehnten) Vers. Dies drückt die Idee aus, dass im Karmayogi keinerlei Mangel an Frohlocken, Genüge und Zufriedenheit verbleibt, noch irgendein Bedürfnis nach etwas anderem als der Wesenheit (Gita 6:22).
„Für ihn gibt es keine Pflicht“ – Welche Gebote bezüglich obligatorischer Pflichten auch immer für einen Menschen vorgeschrieben sind, ihr alleiniger Zweck ist es, die höchste Wonne zu erlangen, die das höchste Selbst ist. Wenn das Ziel durch irgendein Mittel (Karmayoga, Jnanayoga oder Bhaktiyoga) erreicht ist, bleibt für die Person nichts mehr zu tun, zu wissen oder zu erlangen, was der ultimative Erfolg des menschlichen Lebens ist.
Obwohl es in der wahren Natur eines Menschen nicht den geringsten Mangel gibt, bleibt, solange er aufgrund seiner Verbindung mit der Welt einen Mangel in sich selbst wahrnimmt und, indem er den Körper als ‚Ich‘ und ‚Mein‘ identifiziert, ‚für sich selbst‘ handelt, Pflicht für ihn bestehen. Aber wenn er nichts ‚für sich selbst‘ tut und alle Handlungen ‚für andere‘ ausführt – das heißt, für den Körper, die Sinne, den Geist, den Intellekt, die Lebenshauch; für Mutter, Vater, Frau, Kinder, Familie; für die Gesellschaft, das Land und die Welt – dann ist seine Verbindung mit der Welt durchtrennt. Bei vollständiger Trennung der Verbindung mit der Welt bleibt für ihn keine Pflicht mehr für sich selbst. Der Grund ist, dass im Selbst keine Aktivität stattfindet. Welche Aktivität auch immer stattfindet, geschieht nur aufgrund der Verbindung mit der Welt und durch weltliche Objekte. Daher existiert Pflicht nur für diejenigen, die eine Verbindung mit der Welt haben.
Handlung geschieht, wenn es ein Verlangen gibt, etwas zu erlangen, und Verlangen entsteht aus einem Gefühl des Mangels. Im vollendeten großen Wesen gibt es überhaupt keinen Mangel, also welches Bedürfnis hat er zu handeln? Wenn durch Karmayoga das Frohlocken, die Genüge und die Zufriedenheit des vollendeten großen Wesens im Selbst allein verankert sind, dann erhebt er sich, nachdem alles, was zu vollbringen ist, vollbracht, alles, was zu wissen ist, gewusst und alles, was zu erlangen ist, erlangt wurde, über Gebote und Verbote. Obwohl ihn die schriftlichen Gebote nicht mehr regieren, sind alle seine Handlungen natürlich in Übereinstimmung mit den Schriften und dienen als Vorbild für andere.
Hier bedeutet der Ausdruck „für ihn gibt es keine Pflicht“ nicht, dass überhaupt keine Aktivität von jenem großen Wesen ausgeht. Auch wenn für ihn nichts zu tun bleibt, gehen Aktivitäten für das Wohl der Welt (Lokasangraha) spontan durch ihn. So wie Aktivitäten wie das Blinzeln der Augenlider, das Ein- und Ausatmen, die Verdauung der Nahrung usw. spontan geschehen (in der Natur), gehen ebenso alle Handlungen, die vorbildlich und in Übereinstimmung mit den Schriften sind, spontan durch jenes große Wesen (aufgrund der Abwesenheit des Gefühls der Handelnden-schaft).
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